Lukas Resetarits: “Ich habe immer Vollgas gegeben”

Am 4. März 2015 stellte Lukas Resetarits im Wiener Stadtsaal sein neues Programm “Schmäh” vor. Aus diesem Anlass ein Interview, das ich am 13. Jänner 2014 mit dem Kabarettisten führte – über seine Anfänge, die Schmetterlinge, den „Kottan“ und das Dasein als Pensionist im “Unruhezustand”. Das Interview erschien unter dem Titel “Eigentlich sollte ich schon seit 36 Jahren tot sein” in Heft 1/2014 der niederösterreichischen Kulturzeitschrift “morgen”. –


Sie haben einen ziemlichen Aufstieg gemacht: vom Gammler zum Hubschrauberpiloten – wie man in Ihrem Lebenslauf lesen kann.

Aber heute flieg’ ich nicht mehr. Zu teuer. Das mit dem Gammler hat sich so ergeben. Ich hatte eine Band, seit ich 15 war. 1967 wollte ich mit einem englischen Schlagzeuger nach Schweden, um dort ein Engagement anzutreten. Und dann ist uns vor München am Hirschenberg der alte VW z’sammenbrochen. Ein Cabrio mit vier Türen, eine ehemalige Funkstreife. Die ersten Funkstreifen waren Käfer-Cabrios, in die sie hinten Türln reing’schnitten haben. Ein uraltes Ding mit minus zwölf PS. Stranded at Munich: Die Gelegenheit hab ich genutzt, um mich dort in die Beatnik-Szene einzugliedern.

Sie blieben länger?

Von März bis zum Sommer. Man versuchte natürlich, mich abzuschieben. Die Polizisten haben „Miami Vice“ gespielt, obwohl es die Serie damals noch gar nicht gab. Die sind im Dienst ohne Uniform herumgegangen und haben Gammler kontrolliert. Mich haben sie des Rauschgiftbesitzes verdächtigt. Aber ich hatte grad keines bei mir. Trotzdem kam ich für 48 Stunden in die Zelle. Der U-Richter hat mir dann empfohlen, mich in Richtung Österreich zu entfernen. Denn die nächste Stufe wäre der Schub gewesen. Die Polizisten hatten bereits meine Eltern in Floridsdorf verständigt. Der Willi, mein jüngerer Bruder, sollte mich zurückholen. Aber ich war bereits unterwegs, bin per Autostopp heim. Das war recht mühsam, weil mich fast niemand mitnehmen wollte. Ich hatte lange Haar’, war extrem dünn, ich sah aus wie ein schwerer Junkie. Aber es war eigentlich nur Unterernährung.

War die Zeit im Nachhinein eine verlorene?

Nein. Ich möchte sie nicht missen. Damals sind in Deutschland 4000 bis 5000 GIs der US-Armee wegen des Vietnamkriegs desertiert. Ich hab einen kennengelernt, den Eugene Mansell, einen Schwarzen aus Hartford, Connecticut. Ein Super-Bursche. Er hatte keinen Pass, er schaffte es aber trotzdem, einen Tag nach mir in Wien anzukommen. Ich bin dann weiter nach Italien, nach Venedig. Und er ist zurück nach Deutschland. Erst vor kurzem hab ich seinen Namen gegoogelt. Er ist bald danach gefallen.

Das erinnert an das Musical „Hair“. Und 1967 war der „Summer of Love“.

In Venedig haben sie mich nur „Gesù“ genannt. Blonde Haare und roter Bart: Die Italiener waren völlig fertig. Ich wollte dann eine Freundin, eine Deutsche, zurück nach Hause begleiten. Gentleman der alten Schule eben. Doch sie ließen mich nicht nach Bayern hinein. In meinen Pass stempelten sie: „Bargeldlosigkeit und keine Übereinstimmung mit dem Passbild“. Ich wollte mich dann bei einer Tankstelle rasieren. Da bleibt ein Daimler mit Schweizer Nummer stehen. Wir steigen ein. Ich frage den Mann, ob er mir für die Grenzkontrolle Geld borgen könne. Er gibt mir 60 oder 70 Mark. Die Grenzer winken uns durch. Ich will ihm gleich danach das Geld zurückgeben, aber der Mann sagt: „Ist schon okay, ich hab Kinder in Eurem Alter. Die sind auch unterwegs.“

Wann haben Sie das Gammeln aufgegeben?

Als der Druck zu groß wurde. Ich kam im Spätherbst ’67 zurück nach Wien. Mein Vater war Baumeister, er hatte die Baustelle der Universale am Flughafen über. Ich hab’ als Hilfsarbeiter g’hackelt. Ich wohnte noch daheim, aber fand es nicht der Mühe wert, mit dem Vater zu diskutieren. Täglich bin ich mit ihm zur Baustelle, ein halbes Jahr lang haben wir kein Wort miteinander g’redt. Dann hab’ ich am Flughafen die Aufnahmsprüfung zum Traffic Officer gemacht. Und dann wurde die Frau schwanger.

Sie wurden ja schon mit 21 Vater.

Ja. Ich fühlte mich daher verpflichtet zu heiraten. Das war ein Riesenkonflikt in der Ehe, dass ich, der nervöse Teufel, so ein bürgerliches Leben führe. Aber als Ältester von drei Brüdern hatte ich auch Verantwortung: „Man muss das einhalten, ob man jetzt will oder nicht.“ Ich führte ein eigenartiges Doppelleben: Ich arbeitete am Flughafen, hatte daneben eine Band und fing mit Kabarett an.

Willi Resetarits, Ihr jüngerer Bruder, war Ihnen irgendwie voraus: Er wusste, dass der Musiker werden wollte.

Genau. Er war mit seinem Turnen-und-Englisch-Studium fast fertig, als er mit den Schmetterlingen ins Professionelle ging. Er war konsequenter, ich war immer der Schlamperte. Er ist auch früher von daheim ausgezogen.

Haben Sie ihn beneidet, weil er mit den Schmetterlingen schon bald Erfolge feierte?

Ich hab’ ihn darum beneidet, dass er wirklich Musik gemacht hat. Meine Krux war, dass ich wie ein „bloody popstar“ aussah. Mir fiel alles so leicht. Ich konnte die paar Griffe, die notwendig waren, um die Nummern von den Rolling Stones und den Kinks zu spielen. Aber daher hab’ ich mich nicht weiterentwickelt. Der Willi hingegen hat sehr brav am Konservatorium Schlagzeug gelernt, er hat sich eine echte Basis geschaffen. Ich wusste schon bald, dass ich das versäumt hab’. Noch heute wäre ich froh, wenn mich meine Eltern zum Klavier geprügelt hätten. Ich beneide alle, die sich ans Klavier setzen und etwas spielen können, etwa den Hader Pepi.

Aber Sie haben auch mit den Schmetterlingen gearbeitet.

Zwischendurch als Roadie – und ich spielte bei der „Proletenpassion“ mit.

Dieses Oratorium über die „Geschichte der Beherrschten“, 1976 bei den Wiener Festwochen uraufgeführt, war ein enormer Erfolg. Warum eigentlich?

In Arbeitsgruppen wurde die Geschichte der Unterdrückung aufgearbeitet – und der Dichter Heinzi Unger hat das dann umgesetzt. Er war ein Genie. Das waren irrsinnig gute Texte, es gab auch tolle Kompositionen. Diese Art von Musiktheater war völlig neu. Sie entstand unter der Ägide des Regisseurs Dieter Haspel. Selbst der konservative Hans Haider goutierte das „Kommunisten-Spektakel“. Es muss ihn innerlich zerrissen haben, als er seine Kritik schrieb. Die Schmetterlinge haben die „Proletenpassion“ danach in Deutschland rauf und runter gespielt. Denn dort gab es eine große linke Szene. Für mich war diese Erfahrung wichtig. Denn ich erkannte, dass die Maoisten, die Mitglieder der „K-Gruppen“, fürchterliche Leute waren. Es gab immer welche, die den Politkommissar spielen wollten. Der Willi und ich waren ja 1976 auch an der Arena-Besetzung beteiligt. Ich gab dazu die Initialzündung. Wir hatten das Gelände in St. Marx bereits eine Woche besetzt, da kamen die RAF-Leute aus Deutschland und wollten uns sagen, wie’s geht. Da kann man nur sagen: „Schleicht’s Euch, es Trotteln!“

Die Schmetterlinge erinnerten zudem an Jura Soyfer, der 1939 im KZ Buchenwald ums Leben kam: 1980 vertonten sie unter dem Titel „Verdrängte Jahre“ dessen Texte.

Da war im Wiener Schauspielhaus. Zum Schluss jeder Vorstellung sangen wir das „Dachaulied“. Wir mussten jedes Mal weinen. Jura Soyfer war für uns eine Lichtfigur.

Die Schmetterlinge waren also alles andere als eine Kommerzband. Warum nahm die Band 1977 am Eurovision Song Contest mit „Boom Boom Boomerang“ teil? Sollte das ein subversiver Akt sein? Die Band erreichte lediglich den vorletzten Platz.

Die Idee war, durch die Institutionen zu marschieren. Dann erging von der EBU, der Europäischen Rundfunkunion, die Warnung an alle Länder, dass die Politgruppe Schmetterlinge den Auftritt für eine Demonstration nutzen werde – pro IRA oder was auch immer. Der Song Contest fand ja in London statt. Die Generalprobe wurde mitgeschnitten. Der Regisseur hätte, wenn die Schmetterlinge beim Auftritt irgendetwas Unvorhergesehenes gemacht hätten, sofort auf das parallel mitlaufende Band der Generalprobe zurückgegriffen. Die Schmetterlinge galten wirklich als subversiv.

Sie schrieben den Song. Der Text kritisiert die Geldmacherei im Musikgeschäft. Aber gleichzeitig wollten doch auch Sie erfolgreich sein. War das nicht ein Widerspruch?

Jein. Es war der Versuch, mit einem Augenzwinkern ins Geschäft einzusteigen. Das wussten wir schon: Das Lied mit seinen schönen Chorpassagen kann nur dann Erfolg haben, wenn man den Text nicht versteht. Mit dem Geld, das die Schmetterlinge mit dem Song Contest verdienten, haben sie in einem aufgelassenen Kino in Bisamberg, das ich gefunden hatte, das Schmetter-Sound-Studio eingerichtet. Sigi Maron, die Gruppe Auflauf und viele andere haben dort aufgenommen.

Sie arbeiteten bereits seit 1974 für die Schmetterlinge. Bei der Band einzusteigen: Das war kein Thema?

Ich hab’ als braver Familienerhalter am Flughafen gearbeitet. Und dann kam das Kabarett. Aber auch das hängt mit dem Willi zusammen. Denn er hat mich 1975 an die Gruppe Keif vermittelt. Nach dem Zwölfstundendienst am Flughafen bin ich mit dem R4 zum Kärtnertortheater gefahren, um zu spielen. Als Junger geht das noch.

Die Gruppe bestand aus Wolfgang Teuschl, Erwin Steinhauer, Alfred Rubatschek und Erich Demmer. Sie heißen ja eigentlich auch Erich. Damit es nicht zu Verwechselungen kommt, sollen Sie auf ihren zweiten Vornamen Lukas zurückgegriffen haben.

Das stimmt. Den zweiten Vornamen, Lukas, hat mir meine kroatische Großmutter dazugegeben, weil sie vermutete, dass es für Erich keinen Heiligen gibt. Heute ist Lukas einer der häufigsten Namen. Als Bub aber hab’ ich mich immer geniert für Lukas.

Wie werden Sie heute gerufen?

Die Familie, die Verwandten im Südburgenland – ich wurde ja 1947 in Stinatz geboren – und die alten Freunde nennen mich Erich. Alle anderen Lukas. Auch meine Lebensgefährtin nennt mich so.

Und das ist kein Problem?

Überhaupt nicht. Anders ist es bei Willi Resetarits und Ostbahn-Kurti. Meinen Bruder hat es zwischendurch richtig zerrissen. Der Musikjournalist und Autor Günter Brödl hatte diese Kunstfigur erfunden, der Willi legte mir nahe, sie zu verkörpern. Er war nie der wilde Teufel, das war ich. Ich hätte das schon ganz gern gemacht, aber ich fühlte mich nicht dazu fähig. Mir fehlte eben die Ausbildung zum Musiker. Und dann ist der Willi in die Rolle einig’hupft – und er ist es wirklich geworden. Heute bin ich froh, dass ich nicht der Kurt Ostbahn wurde. Wir haben auch andere musikalischen Präferenzen. Mit Bob Dylan und Bruce Springsteen konnte ich nicht so viel anfangen. Ich steh’ auf Rhythm’n’Blues. Mein Idol war der Brian Jones von den Stones, diese tragische Figur. Den hab’ ich übrigens kennengelernt am Flughafen.

Tatsächlich?

Am Anfang war ich am Informationsschalter, wo man eigentlich nur Watsch’n kriegt. Dort fragte mich Tom Jones nach „the men’s loo“. Und dann war ich beim Lost & Found. Das ist die noch größere Strafkompanie. Da redest nur mit Leut’, die den Koffer verloren haben. Einmal standen Brian Jones und Anita Pallenberg vor mir. Ich füllte das Formular für die Verlustanzeige aus. Nach seinem Namen hätte ich eigentlich nicht fragen müssen.

Das war, bevor Sie Traffic Officer wurden?

Ja. Die Flugzeugabfertigung hat mir dann sehr getaugt. Das waren lauter „Burschen wie ich“. Wir waren intelligent, goschert – und wir mussten blitzschnell sein, binnen Minuten die Ladeplanung berechnen. Der Schwerpunkt des Fliegers hat in einem bestimmten Sicherheitsbereich zu liegen. Dann war der Flieger weg, aber wir waren immer noch auf 180. Und das ist dann in Schmäh umg’setzt worden. Ich war immer irgendwie der Lustige. Daher hat mich der Willi zur Gruppe Keif gedrängt.

Sie waren aber nicht lange bei der Gruppe.

Von ’75 bis ’77. Für den „steirischen herbst“ schrieben Wolfgang Teuschl und ich die Sozialoperette „Zwei Herzerln in der Partnerschaft“, musiziert von den Schmetterlingen. Es ging um die Sozialpartnerschaft, die wir als Linke damals als Packelei abgelehnt haben. Heute als Pragmatiker sagt man: „Alleweil!“ Das zweite Programm ging ’76 um die Arena. Der Steinhauer Erwin hat dann das Angebot bekommen, Musical am Theater an der Wien zu spielen. Er ist ausgestiegen, die Gruppe zerfallen. Im Frühjahr ’77 machte mir der Haspel das Angebot, das Konzerthaustheater mit einem Kabarettprogramm zu bespielen: allein oder mit anderen. Ich war damals schon weg vom Flughafen. Ich fand niemanden. Da hab’ ich beschlossen, ein Soloprogramm zu machen. Ich wollte aus dem Bauch heraus spielen. Ein Programm schreiben, es auswendig lernen und dann spielen: Das hielt ich für falsch. Bei der Generalprobe bin ich nach fünf Minuten weinend von der Bühne gegangen. Ich hab’ mich richtig ang’schissen vor der Premiere. Am nächsten Tag aber bin ich einfach ins kalte Wasser gesprungen – und Sensation. Damals gab es nur den Martin Flossmann im Simpl und den Gerhard Bronner. Und dann versucht ein Junger – na ja, ich war auch schon 30 – etwas Neues. Die Kritiken haben sich überschlagen. Die nächsten zwei Wochen bin ich einen Meter über der Erd’ g’schwebt. Dem Haspel bin ich wirklich zu Dank verpflichtet. Denn die Brecht-Seminare, die er mit uns gemacht hat, waren prägend. Die Inhaltlichkeit stand daher im Vordergrund. Meine ersten Programme haben sich schon ein bisschen von dem unterschieden, was man damals unter Kabarett verstanden hat.

Das Neue an „Rechts Mitte Links“ war wohl auch die durchgehende Handlung.

Es war so eine Hans-Moser-artige Performance. Ich bin der Billeteur – und springe für den Chef ein, der nicht auftaucht. Es stellt sich bei einem Telefonat heraus, dass er, ein Linker, von der Stapo festgenommen wurde. Ich spiele also seine Nummern, kann mich aber immer distanzieren: „Meine Ansicht ist das nicht, ich spiel’ das nur.“ Ich hab’ das Konzept des Handlungskabaretts zwischendurch verlassen; mir gefiel auch das Nummernkabarett, das ich mit Koautoren wie dem Fritz Schindlecker gemacht hab’. Der Haspel hat es immer kritisiert. Mir fehlte einfach das schreiberische Selbstvertrauen. Aber später, in der Zusammenarbeit mit meiner Tochter Kathrin, bin ich wieder zum Handlungskabarett zurück.

Wurde Ihnen aufgrund der Erfolge 1980 die Hauptrolle in der Fernsehserie „Kottan ermittelt“ angeboten?

Ich bin eben aufgefallen. Wir haben gerade das Jura-Soyfer-Programm geprobt. Ich war davor beim Casting für den Film „Kassbach“ von Helmut Zenker und Peter Patzak. Aber ich hasse Castings. Ich kann das nicht. Und dann fragten sie, ob ich den Kottan spielen möchte. Der Kottan war schon damals eine legendäre Figur. Und ich ein Fan.

Sie waren bedeutend jünger als Franz Buchrieser, der zuvor den Major Kottan spielte. Haben Sie sich nicht gefragt: Wie soll das gehen?

Nein. Im Gespräch mit dem Zenker war sofort klar: Es ist spannend, alles anders zu machen. Ich hab daher als Kottan auch bewusst jünger ausgeschaut, als ich war.

Kottans Ehefrau aber blieb die gleiche.

Im Kopf war Bibi Zeller jedoch die Jüngste. Das war ja das Spannende: Dass man keine Regeln eingehalten hat. Der Patzak wollte immer g’scheite Filme machen. Aber dem Zenker und mir waren die Fernsehkrimis schon fad. Sie hatten eine Ernsthaftigkeit, die zum Speiben war. Uns hat nicht die Lösung der Fälle interessiert, sondern das Verhalten der Polizisten untereinander. Die letzten sechs Folgen wurden leider nicht mehr gedreht. Wir wären noch viel radikaler geworden.

Die ersten Folgen waren 90 Minuten lang, die späteren 60 Minuten. Wurden auch deshalb die Handlungen immer absurder?

Nein. Ich ärgere mich immer wieder über den „Tatort“. Weil viele Folgen die 90 Minuten nicht schaffen. Da wird die Spannung nicht gehalten, da wird Zeit geschunden. Da ist es doch besser, eine 60-Minuten-Folge zu drehen, die in sich kompakt ist. Aber man muss schon auch gestehen: Manchmal stand so wenig im Drehbuch vom Zenker, dass Kottans Kapelle viel Musik gespielt hat, um die Zeit zu überbrücken.

Wie war für Sie das abrupte Ende von „Kottan ermittelt“ im Jahr 1983?

Eigentlich kein Problem. Die Veranstalter wollten mich natürlich als Kottan vermarkten. Aber ich trennte Kottan immer strikt vom Kabarett. Ausschlaggebend war auch ein Plakat, das ich noch heute vor mir sehe. Auf ihm stand groß „Mundl“, darunter kleiner „Karl Merkatz“ und ganz klein „Kafka – Bericht für eine Akademie“. Da dachte ich mir: Nein, das geht nicht.

Aber Sie haben doch 1984 eine Platte mit dem Titel „Kottans Kapelle“ herausgebracht.

Ja, das war so a halberte G’schicht. Es gab auch Streit zwischen Zenker und mir. Denn er hat erwartet, dass ich den Kottan weiterführe. Außer dieser Platte habe ich aber nichts gemacht. Und es war natürlich auch geschummelt: Die Nummern wurden ja nicht von der Kapelle aus der „Kottan“-Serie gespielt, sondern von den Schmetterlingen, vom Willi und vom Hansi Dujmic. Daher bin ich auch nie live damit aufgetreten.

„Kottan ermittelt“ hatte trotzdem zur Folge, dass mehr Leute in Ihre Vorstellungen gekommen sind?

Ja, ich hab Publikum in großer Zahl dazugewonnen. Gut die Hälfte ging wieder weg: „Ach so, das ist ja nicht Kottan.“ Die andere Hälfte aber blieb mir über Jahrzehnte treu.

Sie sind nun 65, Sie haben das Pensionsalter erreicht, bestehen aber darauf, im „Unruhestand“ zu sein, wie der Titel Ihres aktuellen Programms lautet.

Eigentlich sollte ich schon seit 36 Jahren tot sein. Denn ich gehöre zur Generation, die beschlossen hat, nicht alt zu werden. Ich kann mich mit der Pension nicht abfinden. Menschen, die gesund sind und einen Beruf haben, der ihnen Freude macht: Warum sollten sie ihn nicht weiter ausüben? Was soll ich sonst machen? In Tulln, wo ich jetzt wohne, mit dem Hund Spazieren gehen? Ich mag keine Hunde. Angeln? Tarockieren im Park? Das kann ich mir nicht vorstellen.

Hadern Sie mit dem Alter?

Ich war es immer gewohnt, Vollgas zu geben. Das geht nicht mehr. Mit dem Fußballspielen und dem Rennradlfahren hab ich aufg’hört. Ich müsste nun dazu stehen, ein „Senior“ zu sein. Hin und wieder kauf ich mir daher bewusst eine „Seniorenkarte“. Aber ich tu mir schwer damit, das stimmt.

Copyright: Thomas Trenkler 2014, 2015

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