Analyse: Das Ende der neuen Mäzene

Vor etwa einem Jahrzehnt, zu einer Zeit, als der ehemalige Burgschauspieler Franz Morak als Staatssekretär der ÖVP für die Kunstpolitik zuständig war, setzte die öffentliche Hand alle Hoffnung in die Unternehmen als Mäzene: „Weniger Staat, mehr privat“ – so lautete das Motto. Es war aus der Not geboren, denn das Kunst- und Kulturbudget des Staates begann zu stagnieren.

Im Mai 2007, kurz nach der ruhmlosen Ära Morak, stellte die Zeitschrift „Format“ zehn der „neuen Mäzene“ vor: die EVN, die Bawag Foundation, den Verbund, die Wiener Städtische, die Generali Foundation, die Kommunalkredit, die Erste Bank, das „Art Lab“ von Siemens, die Sammlung Essl und die „Art Collection“ der Strabag.

Sieben Jahre später ist es Zeit für ein Resümee. Und dieses fällt ernüchternd aus:

Das „Art Lab“, das der Galerist Ernst Hilger in der Dorotheergasse in Wien betreute, gibt es schon lange nicht mehr. Siemens hat sich auf klassisches Kultursponsoring zurückgezogen.

Die Bawag Foundation gibt es nicht mehr. Der Ausstellungsbetrieb wurde mit 31. Dezember 2013 eingestellt, seit Mai wird die Sammlung versilbert. Nicht nur im Dorotheum, auch im Auktionshaus im Kinsky wurden bereits zahlreiche Werke aus der Sammlung versteigert.

Die Generali Foundation gibt es so gut wie nicht mehr: Die konzise Sammlung wurde aus Kostengründen auf 25 Jahre an das Museum der Moderne in Salzburg verliehen – was in der Szene für Kontroversen sorgte: Die Zeitschrift „Derdiedas Bildende“ der Akademie der bildenden Künste beschäftigt sich in ihrer aktuellen Ausgabe in mehreren Beiträgen mit der Generali Foundation und dem Thema „Staat/privat“.

Das Essl Museum gibt es zwar noch. Doch etliche der wertvollsten Gemälde mussten im Herbst in London versteigert werden. Weitere Verkäufe dürften folgen. Ob der einst mächtige Baumax-Chef Karlheinz Essl, der einen zu waghalsigen Expansionskurs verfolgte, noch einmal groß Kunst einkaufen kann, ist zu bezweifeln.

Die Kommunalkredit, 2008 durch eine Notverstaatlichung vor dem Bankrott gerettet (was die Steuerzahler zwei Milliarden Euro kostete), gibt es zwar noch irgendwie. Was mit der Kunstsammlung passierte, ist unbekannt. Sie soll in einem Depot schlummern.

Und die Erste Group reduzierte im Kunst- und Kulturbereich ihr einst beeindruckendes Engagement: Das Team wurde erst kürzlich verkleinert.

Hinzu kommt, dass der neue Eigentümer von Kika-Leiner, der südafrikanische Steinhoff Konzern, die Kunstsammlung der beiden Möbelketten versteigern ließ. Herbert Koch, der ehemalige Eigentümer, soll das eine oder andere Kunstwerk aus der Auktion zurückgekauft haben.

Das Deprimierende ist, dass große Unternehmen heute nicht mehr glauben, sich mit Kunstsammlungen profilieren zu können. Was bleibt, sind ein paar enthusiastische Macher wie Hans Peter Haselsteiner, Heinz J. Angerlehner und Herbert Liaunig.

Die Bank Austria steht zumindest, nach einer versuchten Kindesweglegung, wieder zu ihrem Kunstforum. Und der Verbund sorgt mit gelb beleuchteten Nebelschwaden weiterhin Am Hof für Erstaunen (ein Kunstwerk von Olafur Eliasson). Viel ist das allerdings nicht.

Copyright: Thomas Trenkler 2014

Comments
4 Responses to “Analyse: Das Ende der neuen Mäzene”
  1. weber@monopol.at' Thomas Weber sagt:

    Was nicht erwähnt wird: Die EVN sammelt unerschrocken weiter. Immerhin.

  2. brigittehuck@aon.at' Brigitte Huck sagt:

    Lieber Thomas ! Ein Witz, daß dir zur evn sammlung so gar nichts einfällt ! Zur Info : die Sammlung der EVN wird 2015 20 Jahre alt und sie ist außerordentlich aktiv. Wir feiern u.a. mit einer Werkvorführung von Franz Erhard Walther in der Secession, einer Ausstellung in der Kunsthalle Krems und Veranstaltungen in unseren Headquaters. Dort sind auch Teile der Sammlung in wechselnden Präsentationen permanent ausgestellt (zur Zeit nach einem kuratorischen Konzept von Thomas Trummer und Markus Schinwald) und öffentlich zugänglich (wir bitten allerdings um Anmeldung). Dann darf ich dich noch auf unsere Publikationen zur Sammlung und den Band über Urbanismus und die Südstadt hinweisen. Wäre doch eine Erwähnung wert gewesen ?? Mit besten Grüßen, Gitti Huck

  3. Thomas Trenkler sagt:

    Ja, die EVN ist ein leuchtendes Vorbild. Und ja, die Strabag ist auch recht aktiv. Es ging mir aber darum, eine Tendenz aufzuzeigen. Generell schaut die Situation nicht so rosig aus – jedenfalls meiner Meinung nach.

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