Mit Unterstützung von Dietmar Steiner

Das Architekturzentrum Wien präsentiert ab Mittwoch den brasilianischen Architekten Isay Weinfeld. Nach dessen Plänen soll ein Hochhaus auf dem Areal des Wiener Eislaufvereins errichtet werden. Der Investor, die Wertinvest, unterstützt die Schau finanziell. Man scheut bei der Bewerbung keine Superlative. –

Wien – Die beabsichtigte Bebauung des Areals zwischen dem Hotel Intercontinental, kürzlich 50 Jahre alt geworden, und dem Wiener Konzerthaus sorgt für hitzige Debatten. Vor allem deshalb, weil Investor Michael Tojner und sein Unternehmen Wertinvest aus Gründen der Profitmaximierung einen ziemlich hohen Turm errichten wollen.

Am 14. Mai 2013 forderten die wichtigsten Interessensvertretungen der Architekten die Wiener Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) auf, eine „Revision des Planungsverfahrens einzuleiten und das Gespräch mit der Fachöffentlichkeit zu suchen“. Vassilakou ist bekanntlich Stadträtin für Stadtentwicklung, BürgerInnenbeteiligung, die Mariahilfer Straße und manch anderes.

Zehn Monate später, am 31. März 2014, wandten sich die Österreichische Gesellschaft für Architektur, die Zentralvereinigung der ArchitektInnen, die Architekturstiftung Österreich, die IG Architektur und weitere Organisationen erneut an Vassilakou. Unterzeichnet wurde der Brief auch von Friedrich Achleitner, Hermann Czech, Otto Kapfinger, Friedrich Kurrent und Gustav Peichl.

Die Liste der Unterzeichner war größer geworden. Ein Name aber fehlte gegenüber dem ersten Protestschreiben: jener von Dietmar Steiner, dem Leiter des Wiener Architekturzentrums.

Hat Dietmar Steiner die Seite gewechselt? Im Architekturzentrum Wien wird jedenfalls am Mittwoch, dem 17. Dezember, eine Ausstellung mit dem Titel „A bis Z. Die Welt von Isay Weinfeld“ eröffnet. Von Weinfeld stammt der siegreiche Entwurf für das Areal rund um den Wiener Eislaufverein.

Auf der Homepage des AzW jubelt man in Superlativen: Weinfeld sei einer „der gefragtesten brasilianischen Architekten der Gegenwart“, wie „kein anderer“ habe er es „geschafft, einen sensiblen, eleganten und modernen Architekturstil brasilianischer Prägung zu entwickeln“. Die Ausstellung illustriere „auf eindrucksvolle Weise die Philosophie des renommierten Architekten“. Schließlich wurde sie von Weinfeld höchstpersönlich konzipiert: Der Architekt nehme „die Besucher mit auf eine Reise durch das Universum seiner Kreativität – vom Türgriff bis zum Bürogebäude, vom Bühnenbild zum McDonald’s Interieur, von der Instagram Installation zur Obstschüssel, von der Wiege bis zum Sarg – von A bis Z“.

Ach ja: Die Ausstellung wurde realisiert „mit Unterstützung von Wertinvest“, also dem Investor. Kritische Annäherung ist garantiert. Und Geld stinkt bekanntlich nicht.

Copyright: Thomas Trenkler 2014

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