Angespannte Situation im Filmarchiv Austria

Wien – Gerüchteweise soll sich das Filmarchiv Austria mit dem Umbau und Betrieb des Metrokinos als Filmkulturzentrum finanziell übernommen haben. Denn trotz Erweiterung des Angebots gibt es nicht mehr Geld von der öffentlichen Hand. Direktor Ernst Kieninger versucht im Gespräch mit “dem Trenkler” zu beruhigen – gesteht aber ein, dass man sich mit einer Subventionserhöhung in der Höhe von 200.000 bis 250.000 Euro “sehr viel leichter tun” würde. Es gehe nun darum, die Eigenerlöse und ganz besonders die Sponsoring-Einnahmen zu steigern.

Im Zusammenhang mit dem Budget gab es, so Kieninger, “Auffassungsunterschiede” mit Alexander Behensky, der, wie berichtet, letzte Woche die Geschäftsführung niederlegte. Behensky hatte erst Anfang Juni 2014 seinen Job angetreten. Man trennte sich einvernehmlich. Interimistisch wurde Nikolaus Wostry, der die Filmsammlung in Laxenburg leitet, mit den kaufmännischen Aufgaben betraut. Sonderbarerweise wird die Geschäftsführung nicht neu ausgeschrieben: Der Vorstand will bis Ende März abwarten, wie sich Wostry macht.

Das Filmkulturzentrum wird Anfang Februar geschlossen – und soll nach finalen Umbauarbeiten in der zweiten Maihälfte neuerlich eröffnet werden. Vorgesehen ist unter anderem eine von Thomas Miessgang kuratierte Ausstellung über Andy Warhols Factory im Film und im Foto. Zunächst war, so Kieninger, eine Kooperation mit den Wiener Festwochen angedacht. Daraus wurde es nichts, nun sei die Viennale als Partner eingesprungen. Die Schau werde daher “mit höchster Wahrscheinlichkeit” in den Räumen über dem Metrokino stattfinden.

Die kontroversiell diskutierte Retrospektive über Gustav Ucicky sei, betont Kieninger, nicht von der Klimt-Foundation mitfinanziert worden. Die Witwe nach Gustav Ucicky hatte die Stiftung im September 2013 gegründet. Zweck ist u.a. die wissenschaftliche Aufarbeitung von Leben und Werk Ucickys, der einer der führenden Regisseure der NS-Zeit war und z.B. den üblen Propagandafilm “Heimkehr” mit Paula Wessely drehte. Allerdings finanziert die Klimt-Foundation die Restaurierung von zehn Ucicky-Filmen. Es fehle noch die Endabrechnung, so Kieninger, die Kosten dürften sich aber auf etwa 100.000 bis 120.000 Euro belaufen.

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