In eigener Sache: Jetzt “Kurier”!

Vom Bahnhof Heiligenstadt führt ein nüchterner Tunnel in Richtung Muthgasse – beziehungsweise zum Leopold-Ungar-Platz, wie die Gegend dort neuerdings heißt. Schon von der Ferne erkennt man am Ende des Tunnels, im gleißenden Licht also, ein in Rot gehaltenes Transparent. Irgendwann vermag man die Buchstaben zu entziffern. In Versalien steht da “JETZT KURIER”. Am 29. Dezember 2014 las ich diese Botschaft. Auch wenn sie für alle gilt, die des Weges gehen, maß ich ihr eine besondere Bedeutung für mich bei. Ja, jetzt “Kurier”! Und so werde ich ab 1. Februar als Kulturredakteur für den “Kurier” arbeiten.

Ich danke Helmut Brandstätter, dem Chefredakteur, und Gert Korentschnig, als Kulturressortleiter stellvertretender Chefredakteur, dass sie die Gunst der Stunde nutzten. Aus eigenem Antrieb hätte ich den “Standard”, für den ich seit 1993 arbeitete, wohl nicht verlassen. “Der Standard” ist eine wunderbare Zeitung mit großartigen Kolleginnen und Kollegen, die zu Freunden geworden sind.

Aber in der Geschäftsführung gelangte man im Frühjahr 2014 zur Überzeugung, dass ein Gutteil der Journalisten, die das Ihre dazu beigetragen haben, dass der “Standard” zum Standard wurde, zu viel verdienen. Denn man verschenkt ja deren Produkte, also die recherchierten Artikel und wohl überlegten Kommentare, samt und sonders im Internet. In Zeiten der Wirtschaftskrisen geht sich das irgendwann nicht aus. Der Gutteil der Journalisten, die das Ihre dazu beigetragen haben, dass der “Standard” zum Standard wurde, hatte es daher billiger zu geben, verdammt viel billiger: Nach einem Zwangsurlaub von drei Monaten, den die Gewerkschaft verlangt hatte, um zu verhindern, was dennoch passiert, hätte ich zu deutlich schlechteren Bedingungen wieder für den “Standard” arbeiten können. Doch die Chefredaktion des “Kurier” nutzte eben die Gunst der Stunde – und machte mir ein faires Angebot. Ich werde also für den “Kurier” arbeiten. Mit größter Motivation.

In der Sonntagsausgabe darf ich mich den “Kurier”-Leserinnen und Lesern mit einer ungeheuerlichen, ziemlich traurigen Geschichte vorstellen. Ich schrieb sie als freier, bloggender und noch urlaubender Journalist. Bereits heute stellte mich der “Kurier” online als Neuzugang vor: “Thomas Trenkler wechselt zum Kurier”

Copyright: Thomas Trenkler 2015

Comments
12 Responses to “In eigener Sache: Jetzt “Kurier”!”
  1. Christian.kircher@wienmuseum.at' Christian sagt:

    Das sind echt News – schade für den Standard! Was mache ich mit meinem Abo? Folgt dem Ende der kritischen Kunstmarkt-Seite am Samstag (Olga K.) jetzt das Ende der Kulturpolitik? Nur noch verklärende Nachrufe in meinem Standard? Und muss ich jetzt wirklich den Kurier lesen? Das hab ich zuletzt in den 80ern getan. Alles Gute! C

  2. herrlugus@hotmail.com' Herr Lugus sagt:

    Freu’ mich, daß Dich der KURIER beschäftigen wird.
    Hier in den USA gehen auch die guten Journalisten unter.
    Not many people care. But I do!
    Also gratuliere und viel Spaß beim Sehen, Denken und Schreiben!
    Lugus

  3. heimo.steps@gmail.com' heimo steps sagt:

    Alles Gute und Respekt !

  4. j@jonsti.com' Jonsti sagt:

    langfristig setzt sich Qualität eben durch, erfreulich!

  5. josef.brainin@aon.at' Joe Brainin sagt:

    Lieber Thomas,

    wie sagst du immer:

    SUERTE!

    aus ganzem Herzen, auch von Wilbirg

    schickt dir Joe

  6. flamingotraene@gmx.de' A. sagt:

    Und so langsam muss man sich schon fragen, ob sich der Standard sein Grab absichtlich noch tiefer schaufeln will. Innerhalb wenigster Wocher hat eine Handvoll der besten Namen und Standardaushängeschilder die Redaktion verlassen – und bessere Angebote bekommen, nachdem Monate mit Zwangsbeurlaubungen und einer Massenkündigungswelle, Gehaltsrückstufungen und Arbeitsaufstockungen das Jahr bestimmt hatten. Auch wenn ich persönlich mit dem Kurier wenig anfangen kann – gratuliere Ihnen zu der Entscheidung. Das öffentlich zu machen ist unglaublich wichtig. Man muss sich nicht alles bieten lassen, auch nicht für den Idealismus, der im Journalismus ja immer mitschwingt. Und wenn nicht die Journalisten dieses arbeitsentwertende Prozedere thematisieren, wer dann? Alles Gute.

  7. dorotheasteffan@hotmail.com' Dorothea Steffan sagt:

    Herzlichen Glueckwunsch!

  8. mail@bla.com' Rudi sagt:

    Ob man auf den alten Arbeitgeber hinhauen will ist eine Frage des Stils.
    Aber klar muss man es beim Standard jetzt viel billiger geben, sonst könnte man dort gleich das Licht ausdrehen.

    Ob das ausreichen wird, wird sich zeigen, online wird die Printverluste auf Sauer nicht ausgleichen können, und andere Standbeine hat man sich ja nicht geschaffen. Print wäre dort aber ohne Online schon längst tot.
    Rosige Aussichten gibt es jedenfalls nicht.
    So kann man zum Absprung nur gratulieren, der zu beobachtende brain drain (Red aber vor allem auch beim Rest) beim Standard lässt aber nichts gutes ahnen.

    • Thomas Trenkler sagt:

      Es war nicht meine Absicht, auf den alten Arbeitgeber hinzuhauen. “Der Standard” ist, wie ich schrieb, eine wunderbare Zeitung. Über die wirtschaftliche Situation bin ich nicht informiert. Aber ich glaube nicht, dass Print ohne Online tot wäre. Zumal sich die Bereiche heute nicht mehr so leicht voneinander trennen lassen: Die Redaktionen von Print und Online wurden bekanntlich fusioniert. Ich persönlich bin der Meinung, dass es nicht richtig ist, praktisch alle redaktionellen Inhalte online zu stellen. Mitunter wird online sogar mehr geboten als in der gedruckten Zeitung. Leider hat man noch keine vernünftige Antwort gefunden, wie man heute mit seriösem Journalismus Geld verdienen kann. Ich wünsche dem “Standard” alles Gute. Und hoffe gleichzeitig, dass es der “Kurier” besser macht.

      • kickercup@gmail.com' Georg Pichler sagt:

        Der Irrglaube, dass jeder, der den Standard online lesen kann, sonst ein Abo kaufen würde, scheint so unausrottbar wie die Annahme von Hollywoodstudios, dass jeder, der sich einen Film illegal herunterlädt andernfalls ins Kino gegangen oder sich eine DVD gekauft hätte.

        Das schaut zwar im ersten Moment nach einer logischen, bequemen Rechnung aus, geht aber so nicht auf. Keine Zeitung wird plötzlich wieder reich, weil sie ihr Online-Angebot zugunsten von Print beschneidet oder eine Paywall einzieht. Vereinzelte Ausnahmen – Zeitungen mit entsprechendem Lesergrundstock in großen Märkten – bestätigen die Regel.

        Und natürlich kann (und muss) online seine Möglichkeiten – vom praktisch unendlichen Platz für Text bis hin zu interaktiven Grafiken oder der Einbettung von Videos sowie Community-Funktionen – nutzen, wenn man langfristig konkurrenzfähig und profitabel bleiben soll. Genannte Features gehen halt auf Papier nicht, gewisse Lesergruppen werden es trotzdem (zumindest noch eine Weile lang) bevorzugen.

        Auf diese Entwicklung kann mich sich entweder einstellen, oder Scheuklappen anlegen und off- wie online untergehen, während man von “guten, alten Zeiten” träumt. Die Konkurrenz schläft halt nicht.

        That said: Viel Glück auf Deinen Wegen.

  9. charlotte.sucher@bka.gv.at' Charlotte Sucher sagt:

    Gratuliere!
    Als Kurier-Abonenntin hab ich es am Sonntag schon genießen können.
    Ich freu mich für Dich!

  10. Vera.kremslehner@kremslehnerhotels.at' Vera sagt:

    Ich freue mich als alter Kurier Leser auf deine Artikel und bin sicher dass das Du eine Bereicherung für die Kultur Redaktion bist! Toi toi toi

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