Das Mumok hat ein bilanztechnisches Problem

Karola Kraus bewarb sich nicht um ihren Job, wurde aber zum Hearing eingeladen.

Wien – Das Musuem moderner Kunst, kurz Mumok, hat ein kleines Problem: Es dürfte sich – ähnlich wie das Burgtheater, nur in weit geringerem Ausmaß – reicher gerechnet haben, als es ist. Denn in der Bilanz sollen die Schenkungen von Kunstwerken aktiviert worden sein.

Direktorin Karola Kraus verweigerte eine Stellungnahme. Bereits Anfang September 2014 bat „der Standard“ um ein Interview. Mitte September antwortete Pressesprecherin Karin Bellmann, dass Karola Kraus und Stefan Wagner, der kaufmännische Leiter, „nach unserer Jahrespressekonferenz im November oder Dezember zu Budgetfragen zur Verfügung“ stehen werden. Mittlerweile steht fest, dass diese Pressekonferenz erst am 15. Jänner 2015 stattfinden wird.

Die Gerüchte um die finanziellen Probleme kommen für Kraus zum ungünstigsten Zeitpunkt: Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) ließ, um dem Stellenbesetzungsgesetz Genüge zu tun, die Doppelgeschäftsführung des Mumok ausschreiben. Die Bewerbungsfrist endete am 30. Oktober. 14 Personen bekundeten ihr Interesse für die wissenschaftliche Leitung, also den Posten von Karola Kraus, und 23 für die erstmals ausgeschriebene kaufmännische Leitung. Kraus, deren Vertrag bis Oktober 2015 läuft, bewarb sich nicht. Sie wurde aber trotzdem von der Bestellungskommission zum Hearing eingeladen, das heute, am 1. Dezember, stattfand.

Das Mumok ist seit 2002 ausgegliedert und wird als Anstalt öffentlichen Rechts geführt. Das Museum erhielt die Sammlung vom Bund als Leihgabe. Doch wem gehören die Kunstwerke, die im letzten Jahrzehnt geschenkt wurden? In anderen Bundesmuseen vertritt man die Meinung, dass diese Schenkungen ebenfalls Bundeseigentum sind. Daher müssen sie vom Museum auch nicht versichert werden. Zudem haben Schenkungen keinen Verkehrswert: Sammlungsgut ist bekanntlich unveräußerlich.

Im Mumok dürfte man eine andere Auffassung vertreten haben. Wie aus den Kulturberichten ersichtlich ist, wurden die geschenkten Kunstwerke im Budget „in den sonstigen betrieblichen Erträgen abgebildet“. Das Schenkungsvolumen machte im Jahr 2013 rund eine Million Euro aus. Der Budgetposten „sonstige betriebliche Erträge“ stieg im Falle des Mumok in den letzten Jahren massiv an – von 0,27 Millionen Euro im Jahr 2008 auf 1,78 Millionen im Jahr 2012 und 2,15 Millionen im Jahr 2013. Für das Jahr 2011 werden sonderbarerweise unterschiedliche Zahlen genannt: Im Kulturbericht 2011 betragen die „sonstigen betrieblichen Erträge“ 593.160 Euro, im Kulturbericht 2012 hingegen nur 530.890 Euro.

Das Problem mit der Aktivierung von geschenkten Kunstwerken ist Ostermayer bekannt. Im Interview mit Thomas Trenkler sagte er vor kurzem: „Ich bin der Meinung, dass wir möglichst viele Schenkungen bekommen sollen. Wenn jemand sagt, dass er nur zu einer Schenkung an ein bestimmtes Museum bereit ist, dann ist es für mich in Ordnung, dass die Schenkung dem Museum gehört. Es gab darüber intensive Diskussionen. Eines ist klar: In den Bilanzen ist damit rechtlich korrekt umzugehen.“

Von einer Finanzmisere will Karin Bellmann nichts wissen: Sie stellte fest, “dass wir aus heutiger Sicht dieses sowie auch nächstes Jahr positiv bilanzieren werden”.

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